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Neue Wohnformen für Jugendliche:

Berufliche Qualifikation, Ausbildung und die erfolgreiche Aufnahme einer Erwerbstätigkeit sind selbstverständliche Bestandteile der Lebensentwürfe von jungen Menschen, zentrale Mechanismen ihrer gesellschaftlichen Integration und wesentlicher Zugang zu einer nicht nur soziokulturellen, sondern auch ökonomisch selbständigen Lebensführung.
Angesichts der strukturellen Veränderungen der Arbeitsgesellschaft sind (passende) Ausbildungs- und Arbeitsplätze für junge Menschen aber ein knappes Gut geworden. Zudem sind sie regional sehr unterschiedlich verteilt, so dass sich zunehmend bundesweite Mobilitätserfordernisse ergeben, um einen Ausbildungsplatz zu erlangen.

Daraus resultieren zusätzlich zur Erledigung der Aufgaben im Kontext der Ausbildung komplexe Anforderungen an Wohnung, Versorgung, Alltagsgestaltung und soziale Einbindung. Dies gilt umso mehr für minderjährige Auszubildende, die zugleich ein Recht auf Erziehung und Förderung ihrer Entwicklung haben.

Die jungen Menschen ebenso wie ihre Eltern sind in diesen Situationen auf unterstützende Strukturen angewiesen, die eine angemessene Begleitung der jungen Menschen gewährleisten und eine entsprechende Erfüllung des Erziehungsauftrages von Seiten der Eltern ermöglichen.

Das Jugendwohnen ist traditionell ein Angebot, das auf eine solche Bedarfslage antwortet. Darüber hinaus sind junge Menschen mit individuellen Beeinträchtigungen und/oder in Lebenslagen sozialer Benachteiligung auf Unterstützung angewiesen, um ihre Ausbildung erfolgreich durchlaufen zu können.

Auch für diese jungen Menschen bietet das Jugendwohnen adäquate Möglichkeiten der pädagogischen Begleitung. Die sich abzeichnenden gesellschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen lassen grundsätzlich einen wachsenden Bedarf am Angebot Jugendwohnen erwarten. So ist davon auszugehen, dass sich die Mobilitätsanforderungen an junge Menschen in Ausbildung nicht zuletzt angesichts des demographischen Wandels noch weiter verstärken, und dass zukünftig nicht nur bundes- sondern auch europaweite Mobilität angezeigt ist bzw. notwendig wird (vgl. Krewerth/Eberhard 2006; Wisser 2006). Aber auch auf Grund der zunehmend komplexeren Anforderungen an die Entwicklung tragfähiger Lebensperspektiven und sozialer Integration der jungen Menschen (vgl. Stauber/Pohl/Walter 2007) ist für die Zukunft eine zunehmende Bedeutung des Jugendwohnens anzunehmen. Wohnformen mit sozialpädagogischer Begleitung stellen hier einen bedeutsamen Baustein der sozialen Infrastruktur dar, die die jungen Menschen in der Bewältigung der ausbildungsbedingten Entwicklungsaufgaben unterstützen und dabei auch die alters- und entwicklungsbezogenen Anforderungen (Erwachsenwerden, Verselbständigung etc.) berücksichtigen.

Quelle:
Hrsg.: Verband der Kolpinghäuser eV
Jugendwohnen in Deutschland.
Ergebnisse des Forschungs- und Praxisentwicklungsprojektes „leben. lernen. chancen nutzen.“